Das Wort Ritam kommt aus dem Sanskrit und bedeutet ‚ursprüngliche Grundordnung‘.  Mit Ritam wird der Zustand vor der Schöpfung bezeichnet. Ritam ist aber auch der Zustand, in den die Schöpfung wieder zurückkehrt.  Dieser Zustand wird durch das Quadrat dargestellt.  In einem perfekten Quadrat spiegelt jede Seite jede andere Seite wider.  Es ist ein Zustand vollständiger Symmetrie – was hier ist, ist auch da! – Ritam! 

Den Zustand von Ritam, den spirituelle  Forscher vor Jahrtausenden erforschten, haben vor einigen Jahren  auch drei  japanische Wissenschaftler  entdeckt und dafür im Jahr 2008 den Nobelpreis für Physik erhalten.  Ihre Erkenntnis war: ‚Wir  alle sind Kinder gebrochener Symmetrie.‘

"Jeder Partikel im Universum hat sein Gegenstück:  auf jedes Proton kommt ein Anti-Proton, auf jedes Elektron ein Anti-Elektron namens Positron."   Die These der Nobelpreisempfänger ist:  Wenn es exakt so viel Materie wie Antimaterie geben würde, hätten sich die beiden ausgelöscht (neutralisiert), und es gäbe keine  Sterne, Planeten, keine Menschen, keine Zeitungen, Garnichts.   Da es aber dies alles doch gibt,  haben sie daraus geschlossen, dass es  einen „minimalen und mysteriösen Überschuss“ an Materie geben muss. Ungefähr so: Auf zehn Milliarden Teilchen Anti-Materie kamen zur Zeit des Urknalls zehn Milliarden und ein Teilchen Materie. Diesem „Symmetriebruch“    würden wir unsere Existenz verdanken.   Auch alle Naturgesetze seien das Resultat dieses Bruchs in der Symmetrie.  

Unmittelbar nach dem Urknall war das Universum extrem heiß und symmetrisch.  Es gab darin keine Ordnung. (Interessant, dass demnach Ordnung Asymmetrie bedeutet).  Je mehr sich das Universum abkühlte, desto mehr wurde  diese Symmetrie durchbrochen und die Schöpfung erschien im Sein.  Ähnlich verhält es sich mit Wasser, das abkühlt, bis es gefriert. Wasser hat eine uniforme, amorphe Struktur, es ändert nichts, ob man von oben, der Seite oder von unten darauf schaut. Eis dagegen besteht aus Kristallen mit einer bestimmten geometrischen  Form, die in eine bestimmte Richtung ausgerichtet sind: Eis ist symmetriegebrochenes Wasser. 

In der Arbeit mit geistigen Einstellungen gehen wir davon aus, dass zu jeder Einstellung eine Gegeneinstellung existiert. Was wäre der Mut ohne die Furcht, der Glaube ohne den Zweifel, die Liebe ohne den Hass? Zu jedem  Zustand und jedem Gedanken existiert auch ein gegenteiliger Zustand, ein gegenteiliger Gedanke. In Bezug auf die Gegensatzpaare des Geistes gibt es einen Faktor, der die Grundlage der Einstellungen bildet, selbst aber  jenseits der Gegensatzpaare ist.  Dieser Faktor wird das Selbst genannt. Würde sich das Selbst mit keinem Zustand, mit keiner Einstellung verbinden, würden sich die Gegensatzpaare in einer Situation vollständiger Symmetrie neutralisieren.  Wenn das Selbst beim grundsätzlichsten Gegensatzpaar  'Sein versus Nicht-Sein', das 'Sein' bevorzugt, entsteht ein abgetrenntes  'Ich' - Bewusstsein.  So ist die Basis des individuellen Geistes das Resultat eines Bruchs in der Symmetrie   des Einstellungspaares Sein - Nicht-Sein.

Auch Partikelgegensatzpaare  wie Materie und Nicht-Materie sind immer in vollständiger Symmetrie, da Symmetrie/Ritam der natürliche Zustand ist. Auch hier wird der Bruch in der Symmetrie der Partikel durch das Selbst hervorgerufen‚ das durch die Bevorzugung der Einstellung 'Sein', zuerst ein 'Ich' entwickelt hat und jetzt durch die Bevorzugung von 'Materie', selbst zum materiellen Wesen wird. Der Zustand der Asymmetrie wird also nicht durch ein materielles  Ungleichgewicht hervorgerufen, sondern durch einen Faktor, der von 'materiellen' Wissenschaftlern bei ihren Berechnungen zu wenig oder gar nicht   mit einbezogen wird:  durch den Beobachter, auf dessen Beobachtungen die Ergebnisse der Versuche beruhen.   

Die beobachtete materielle  Asymmetrie ist also nur eine ‚scheinbare  materielle Asymmetrie, die durch den Beobachter selbst hervorgerufen wurde!   Schöpfung ist nur zu verstehen, wenn es uns gelingt, einen Standpunkt außerhalb der Schöpfung einzunehmen - den Standpunkt des Beobachters, des Selbst.  
Da auch Körper und  Gehirn materielle Substanzen innerhalb der Schöpfung und damit den materiellen Gesetzmäßigkeiten unterworfen sind, ist der Körper, das Gehirn und auch ein Bewusstsein, das  Funktion des Gehirns ist, kein Standpunkt, von dem aus Schöpfung tatsächlich zu verstehen ist. Das bezieht auch den sogenannten feinstofflichen Bereich mit ein, der von vielen als Standort des Selbst angesehen wird, da auch der feinstoffliche Bereich Teil der Schöpfung ist und deshalb nicht deren Ursache  sein kann.  Aber kann jenseits der Schöpfung etwas existieren?   Wer oder was  ist  dieser Beobachter??  Im Christentum wird Gott als der Schöpfer bezeichnet.  Paradoxerweise wird der Schöpfer aber als menschenähnliches Wesen  innerhalb der Schöpfung gesucht und vermutet.  Tatsächlich aber muss diese Instanz unabhängig und außerhalb der eigentlichen Schöpfung sein.  Im Yoga wird die grundlegende Dualität von Beobachter und dem Beobachteten als  Purusha und Prakritti bezeichnet:  Bewusstsein und Natur. 

Vielleicht  existiert in Wirklichkeit  kein materielles,  sondern  ein göttliches Ungleichgewicht! Das heißt, der Beobachter, Gott, oder wie auch immer wir diese Instanz bezeichnen, hat  durch das Beobachten selbst, durch das Einnehmen eines  Standpunkts die  Asymmetrie erschaffen,  die wir gemeinhin als Schöpfung bezeichnen.  Der Beobachter schaut in sein eigenes Universum.  

In Hamlet  wird der berühmte Satz gesprochen: „Sein oder Nicht-Sein, das ist hier die Frage.   Da die Schöpfung existiert  (zumindest erscheint uns das so)   ist dies keine Frage mehr.    Das fundamentale Gegensatzpaar  'Sein und Nicht-Sein' ist nicht mehr im Gleichgewicht, weil das Selbst/Gott den Standpunkt ‚Sein‘ gewählt hat.  Dieses  Quäntchen  ‚Ich‘  ist in der Lage  die Schöpfung und damit auch die Idee eines manifesten Gottes hervorzubringen, weil das ‚Ich‘ zwangsläufig eines  ‚Du‘ bedarf.   Als Resultat   erfahren wir dieses ‚Du‘ als  eine  außerhalb von uns befindliche Schöpfung.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 Wer ist dieses  ‚Ich‘, das die Welt erschafft?    Im Buddhismus wird von der Buddhanatur gesprochen  und viele Menschen glauben, die Buddhanatur sei ein innerer Bestandteil  des materiellen Menschen.   Buddhanatur bedeutet aber, dass unsere eigene Wirklichkeit der Buddha ist.   Sie  ist unsere wahre Natur, nicht ein Bestandteil des illusionären  Menschseins.  Symbplisieren die buddhistischen Ritualinstrumente Vajra und Glocke, Symmetrie und Asymmetrie?                                                          

 

 

Der  Ton ist Schöpfung!  Wer schlägt die Glocke?

 

Ist Schöpfung einmal manifest, bewegen sich alle Dinge  wieder zur Symmetrie zurück.  Diese Stufen der Erneuerung  erleben wir als Evolution des Universums, der Rassen und des Einzelnen.    Der derzeitige Zustand der Schöpfung bzw. jedes einzelnen Menschen muss demzufolge  das Ausmaß  der wiedergewonnenen Symmetrie widerspiegeln.     Egal wer wir sind, jedes Wesen ist in einem zunehmenden Zustand des Erwachens, in einem Zustand zunehmender Symmetrie.   Dieses Erwachen  erfahren wir als fortschreitende Erweiterung  unseres  individuellen  Bewusstseins. 

 

 

Das Ritamprojekt