Ein Totenbuch für den Westen Werner Plate/Helene Etminan Der Tod als Durchgang zu neuem Leben Jetzt im Buchhandel erhältlich!! Das Tibetische Totenbuch fasziniert und begleitet mich bereits
durch mein gesamtes Erwachsenenleben. Es hat mir Orientierung und Hilfe gegeben und ein unbändiges Verlangen entfacht, die wahre Natur
unserer menschlichen Existenz zu entschlüsseln. Meine erste Begegnung mit diesem geheimnisvollen Buch hatte ich
im Alter von 17 Jahren. Die Schwelle zum Erwachsenwerden erlebte ich als eine Zeit großer
Verunsicherung. Überzeugt nicht alt zu werden, fragte ich mich, was ich Sinnvolles mit
meinem Leben anfangen sollte, konnte aber keine Antwort finden. Die Welt, das Leben erschien mir wie ein irrealer
Traum. Oft fühlte ich mich wie kurz vor einem Erwachen, das ich einerseits suchte, aber
gleichzeitig fürchtete. War das Ende des Traums nicht letztendlich der Tod? Dieser
Gedanke machte mir große Angst, die zeitweise so stark wurde, dass ich in Zustände
geriet, die mir wie der Tod selbst erschienen. In diesen Momenten erwachte in mir ein
unbändiger Lebenswille, der mich gegen die scheinbare Realität des Todes ankämpfen
ließ. Obwohl ich spürte, dass letztendlich meine
eigene Verweigerung des Todes die Todesangst immer mehr anwachsen ließ, konnte ich dieser
instinkthaften Verweigerung nichts
entgegensetzen. Manchmal geschah es, dass ich in einen Zustand völliger Hingabe geriet
und ich mich dem scheinbaren Tod überantwortete. In diesen Momenten verwandelte sich die
Todesangst in eine Erfahrung von Einheit und Glückseligkeit. Aber dies geschah nur
selten. Meistens schaffte ich es, mich irgendwie zu beruhigen. Aber wenn sich die Angst
wieder legte, verblieb in mir ein Gefühl des Versagens. Etwa so, wie eine wichtige
Prüfung nicht bestanden zu haben. Dann hoffte ich, trotz aller Furcht, mich dieser
Todesnähe wieder stellen zu dürfen. Der Kern dieser Konfrontationen mit dem Tod war letztendlich eine
Leere, die meine eigenen Gedanken und Gefühle reflektierte. Negative, angstvolle Gedanken
und Gefühle führten zu unerträglichen Körperempfindungen und großer Furcht. Positive
Gedanken und Gefühle erzeugten ein schier unbeschreibliches Wohlgefühl. Mir wurde klar,
dass alle unangenehmen und Furcht erregenden Aspekte dieser Erfahrungen meinem eigenen
Geist entsprangen. Aber wie sollte ich dagegen angehen?
Vielmehr stellte ich fest, dass je mehr ich gegen einen bestimmten Gedanken
anging, dieser gerade dadurch umso deutlicher und bestimmender wurde. In dieser Zeit fiel mir durch Zufall der Prospekt einer Schweizer
Versandbuchhandlung in die Hände. Darin wurde unter anderem auch das Tibetische Totenbuch
angeboten. Ich hatte nicht die geringste Ahnung vom tibetischen Buddhismus. Da mich aber
die Frage nach dem Tod und die Vorgänge im Zusammenhang damit sehr beschäftigten,
bestellte ich das für mich damals schier unbezahlbare Werk. Als ich das Buch nach langem Warten endlich in Händen hielt, zog es
mich völlig in seinen Bann. Zwar hatte ich keine Vorstellungen von der Bedeutung der
unterschiedlichen Buddhas, Dämonen und Gottheiten, trotzdem erschien mir das Geschriebene
vertraut. Es war, als würde es in verborgenen Teilen
meines Bewusstseins eine Resonanz hervorrufen, Glocken ins Schwingen bringen, die bisher
geschwiegen hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt
hatte ich mich mit meinen seltsamen Todeszuständen sehr allein gefühlt. Es war eine unglaubliche Erleichterung, dass ein
Jahrtausende altes Weisheitsbuch existierte, das sich genau diesem Thema widmete. So wurde das Totenbuch zu meinem Freund und Helfer.
Ich las es wieder und wieder. Obwohl ich einerseits das Gefühl hatte, auf einer tiefen
Ebene zu verstehen, fühlte ich mich andererseits noch meilenweit davon entfernt, die Vorgänge um Tod und Nach-Tod auch intellektuell nachvollziehen zu
können. Würden mir nach dem Tod tatsächlich Buddhas erscheinen? Hieße dies, dass überzeugte Christen nach dem Tod
erkennen müssten, ihr Leben lang an das Falsche geglaubt zu haben? Es wollte mir nicht
einleuchten, dass nur die relativ wenigen tibetischen Buddhisten die Wahrheit über die
Zeit nach dem Tod wissen sollten. Die Buddhas
mussten eine Bedeutung haben, etwas beschreiben, was von einem Christen, Hindu oder Moslem
mit ganz anderen Worten ausgedrückt werden würde. Ich begann Bücher der
unterschiedlichen Religionen zu studieren, um herauszufinden, was dort über die Zeit nach
dem Tod bekannt war. Das wenige, was ich fand, deckte sich nur sehr begrenzt mit den Beschreibungen des Tibetischen Totenbuches.
Zwar erwähnten viele Schriften ein Strafgericht,
ein Fegefeuer, die Hölle und das Paradies, aber große
Religionen wie das Christentum und der Islam
bauten im Gegensatz zum tibetischen Buddhismus auf der Überzeugung auf, dass es nach dem Tod keine neue Geburt geben wird.
Wie passte das alles zusammen? Jeder Mensch
musste doch sterben, wieso gab es keine klare Beschreibung darüber, was uns nun
tatsächlich nach dem Tod erwartet? Die
meisten Menschen, die ich danach fragte, wiesen mich darauf hin, dass ja noch niemand
zurückgekommen sei, um davon zu berichten, deshalb würde ich nie erfahren können, was
nach dem Tod wirklich geschehen würde. Alle Beschreibungen dieser Phase seien nur Glauben, Geschichten, Hoffnungen - ohne
Verbindung zur Realität. Wahrscheinlich
würde alles einfach enden. Das Gehirn gibt
seine Tätigkeit auf und
Ende
. .
Aber das Totenbuch existierte. Dort
wurde beschrieben, was uns nach dem Tod erwartet und zwar jeden Menschen erwartet. Ich
musste herausfinden, was die Buddhas bedeuteten. Zu
diesem Zeitpunkt ahnte ich nicht, dass ich am Beginn einer jahrzehntelangen Suche stand,
vielleicht hätte ich sonst nie damit begonnen. Es ist nicht so, dass ich seitdem ständig nach der Wahrheit
über den Nach-Tod gesucht hätte. Tatsache ist, dass ich die Suche nach einiger Zeit
wieder aufgab. Wie so oft, wenn wir etwas wollen, es aber nicht sofort erreichen, wendete
sich auch mein Geist anderen Themen zu. Das ist einfacher, als sich immer und immer wieder
diesem nagenden Gefühl des Versagens zu stellen. Ich wollte wieder normal
sein und mich nicht ständig mit religiösen und philosophischen Fragen beschäftigen. Als ich aber versuchte, ein normaler Jugendlicher
zu sein, stellte ich fest, dass ich völlig den Anschluss verpasst hatte. Ich fühlte mich
lebensunfähig und von anderen isoliert. Es
begann ein langer therapeutischer Prozess. Ich
besuchte Therapeuten, Selbsterfahrungsseminare, Meditationsretreats, Atemkurse, Trainings,
Ausbildungen in den Methoden der humanistischen Psychologie und lauschte Lehrern der
unterschiedlichsten Ausrichtungen. Das Gefühl
der Lebensunfähigkeit verging, aber mein Interesse an den spirituellen Wahrheiten des
Lebens wuchs durch die intensive Beschäftigung mit mir selbst weiter an. Mir wurde immer klarer, dass ich, um die Vorgänge
im Tod verstehen zu können, zuerst wissen musste, wer ich selbst war. Ich begann mich in die Frage Wer bin ich?
zu vertiefen. Ich hatte gehört, dass durch
die fortwährende Kontemplation dieser Frage eine Erfahrung von vollständigem Wissen in
Bezug auf die eigene Existenz zu erlangen sei.
Tatsächlich trat nach einiger Zeit eine solche Erfahrung ein. Ich erlebte sie als einen Moment, in dem jede Suche
in mir erlosch. Ich erfuhr mich selbst, das Leben, andere Menschen als
Ausdruck höchster Perfektion. Es gab nichts
mehr zu suchen oder zu erreichen. Das Leben war erfüllt, so wie es war. Teil dieser
Erfahrung war auch das unumstößliche Wissen, dass
es eine Existenz
jenseits des vergänglichen materiellen
Körpers gibt und dass dieses Unver-gängliche meine eigene wahre Natur ist. Besonders überraschte es mich, dass diese Erfahrung sich nicht ungewohnt und neu
anfühlte, sondern im Gegenteil von dem sicheren Gefühl begleitet war, nach Hause
gekommen zu sein, als sei das, was ich bis zu diesem Zeitpunkt für wahr gehalten hatte,
das Leben in einem materiellen Körper, das Leben in der Fremde gewesen. Auch wusste ich,
dass ich dies nicht das erste Mal erlebte. Diese Erfahrung verblasste wieder, aber in mir blieb das Wissen, dass meine wahre Natur, unabhängig vom Zustand des Körpers, auch über den Tod hinaus weiter bestehen würde. Was bedeutete dies in
Bezug auf das Tibetische Totenbuch? Wenn die Verfasser des Totenbuches auch diese Art von
Wissen besaßen, dann müsste jetzt ein neues, tieferes
Verständnis zu erreichen sein. Immer wieder war ich unterschiedlichsten Fassungen des
Tibetischen Totenbuchs begegnet. Inzwischen gab es auch erste Versuche, das
Totenbuch dem westlichen
Denken zu erschließen, aber die Übersetzungen und
Kommentare verwirrten mich mehr, als dass sie halfen, da es offensichtlich nicht nur eine
Interpretation der Vorgänge des Nach-Tods gab, sondern viele. Welche war die
Richtige?
Auch die westlichen Fassungen waren nicht einheitlich, dort wurde noch immer von den
Buddhas gesprochen, als sei es ganz klar, dass auch westlichen Menschen im Nach-Tod
Buddhas erscheinen würden. Immer noch erklärte niemand, was diese Buddhas
eigentlich bedeuteten. Es musste sich dabei um Wahrheitserfahrungen handeln. Aber welche
Erfahrungen waren das und wie standen sie in Beziehung zum menschlichen Geist? Meine Beschäftigung mit spirituellen Lehren und den Methoden der
humanistischen Psychologie war eine ständige Auseinandersetzung mit dem Geist. Zwar fand
ich die unterschiedlichsten Beschreibungen des
Geistes, aber keine half mir, die Vorgänge im Nach-Tod wirklich zu verstehen. Vor einigen Jahren erhielt ich eine Einladung
zu einer Initiation in die 100 zorn- und
friedvollen Gottheiten des Bardo. Als Bardo
wird im Tibetischen Buddhismus der Bereich des
Nach-Tods bezeichnet. Obwohl mich das Totenbuch schon Jahrzehnte beschäftigte, war ich
nie formal in dieses Wissen initiiert worden. So erschien mir die Einladung eine Möglichkeit zu
sein, dies nachzuholen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Hoffnung, das Mysterium des
Nach-Tods zu lösen, eigentlich aufgegeben. Mein Interesse galt inzwischen eher dem
Geist, besonders der Frage nach seiner grundlegenden Struktur. Während der Initiation in die Gottheiten des Bardo wurde mir
klar, dass dort der Geist beschrieben wurde. Nach
der Einweihung begann ich mit der täglichen Meditationspraxis. Dabei visualisierte ich die Gottheiten des Bardo und sprach ein
entsprechendes Mantra. Während dieser
täglichen Meditation begannen sich, ohne dass ich mich darum bemühen musste, die
Erkenntnisse und Erfahrungen, die ich in vielen Jahren des Studiums und der Praxis
gesammelt hatte, mit den Gottheiten des Bardo zu verbinden.
Mit jeder Meditation formte sich ein klareres Bild der Abläufe im Nach-Tod.
Das Totenbuch begann, mir sein Jahrtausende altes Wissen
zu entfalten. In einem Satz könnte die Wahrheit des Totenbuchs folgendermaßen ausgedrückt werden: Alles
ist Gott! oder Alles ist Geist!
oder Der Geist ist Gott! oder Alles ist Illusion! Es ist sehr schwierig, diese Aussagen als wahr
hinzunehmen, während sich um uns herum das Spiel der materiellen Welt
entfaltet. Trotz Sorge um die Gesundheit und das Wohlergehen des eigenen
Körpers den Gedanken zu erlauben, dass diese Körperlichkeit Schein sein sollte. Dass Materie, Raum und Zeit
nur Ideen, Verformungen eines göttlichen Geistes sind. Während ich versuchte
die Symbole des Totenbuches zu entschlüsseln und sich tatsächlich ein Verstehen
einstellte, wurde ich immer wieder von großen Zweifeln und von dem Gefühl heimgesucht,
dass dieses Projekt zu groß für mich ist. Es erschien mir vermessen, zu glauben, die gemeinsame
Wurzel der großen Religionen zu erfassen. Gleichzeitig war mein Geist aber hoch
konzentriert, wie von einem Sog erfasst, der meine Aufmerksamkeit solange konstant bei den
Symbolen des Totenbuchs hielt, bis eine neue Ebene von Verstehen mich wie ein Rausch
erfasste. Nach dem Abklingen dieses
Verzückens tauchte ich wieder an die Oberfläche des Geistes und augenblicklich erfassten
mich wieder Zweifel und Ängste. So entfaltete sich der Prozess in einem ständigen Auf
und Ab bis zu dem Punkt, wo mein Verstehen vervollständigt war. Nach dem yogischen Verständnis bewegen wir uns durch
unterschiedliche Zeitalter des Wissens. Im
goldenen Zeitalter ist das Wissen um die tiefen Wahrheiten dieses Lebens allen Menschen
offenkundig. Dann geht das Wissen immer mehr
verloren, bis wir durch ein silbernes, bronzenes ins Eisenzeitalter gekommen sind, in dem
alles Wissen verloren ist, wo Illusion für Wahrheit gehalten wird und Wahrheit für
Illusion. In diesem Zeitalter leben wir jetzt. Wen wundert es, wenn in solch einem
Zeitalter Symbole angebetet werden, statt deren Botschaft zu verstehen. So
wurde aus Wissenschaft Religion.
Ob heute oder vor 10000 Jahren, an den Vorgängen um den
Tod hat sich nichts verändert. In früheren
Zeiten haben Menschen offensichtlich die Geheimnisse des Todes erforscht und enthüllt. Dieses Wissen hat in Schriften wie dem Tibetischen
Totenbuch die Jahrtausende überdauert. Der moderne Mensch hat zwar im materiellen Bereich
große Fortschritte gemacht, scheint sich aber
in anderen Bereichen, wie zum Beispiel in
Bezug auf das Wissen rund um Tod und Sterben, eher zurück
entwickelt zu haben. So sind wir nicht mehr
ohne weiteres in der Lage, die Symbole dieser früheren Zeiten unmittelbar zu verstehen und
in die heutige Sprache zu übersetzen. Das
Tibetische Totenbuch ist offensichtlich weit
mehr als ein Begleiter durch den Nach-Tod. Es ist ein Wahrheitsbuch, das uns die Geheimnisse
der Schöpfung enthüllt und uns den Weg weist, um aus der (selbst erschaffenen) Illusion des Lebens in unsere eigene
Göttlichkeit/Buddhaschaft zurückzukehren. Ich fühle mich sehr erleichtert!
Eine mehr als 30 Jahre lange Suche nach Verstehen ist zu einem
(vorläufigen?) Abschluss gekommen. Es mag sein, dass ich mich in meiner Interpretation
des Totenbuches irre, aber für mich fühlt es sich so richtig und gut an. Vielleicht werden andere Interpreten zu anderen
Schlüssen kommen. Dann hoffe ich, dass meine Fassung für ihren Verstehensprozess
hilfreich ist. Ich wünsche mir sehr, etwas beitragen zu können, die Trennung, die
scheinbar zwischen den unter-schiedlichen Religionen besteht, zu überwinden. Mein tiefster
Glaube ist es, dass alle Religionen derselben Quelle entspringen, dass alle
Unterschiede nur äußerlich sind und wir eines Tages erkennen, dass wir alle auf dem Weg zur selben Wahrheit
sind. Werner Plate
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