HOLISTIC YOGA ist eine Synthese von westlichen Wachstumstechniken und der jahrtausendealten spirituellen Suche nach Einheit mit dem Göttlichen. Obwohl viele Grundsätze und Techniken des HOLISTIC YOGA auf dem traditionellen Yoga des indischen Kulturkreises basieren, ist es doch ein Wachstumsweg des Westens.

Das Wort Yoga bedeutet Einheit und ist gleichzeitig die Bezeichnung für den Weg, der zur Einheit führt. Zu leben, heißt in Beziehung zu sein. In Beziehung zu anderen Menschen, zur Natur und zum Göttlichen. Beziehung beinhaltet Zweiheit. Uns selbst und etwas, zu dem wir in Beziehung sind. Diese grundsätzliche Zweiheit durchdringt unser gesamtes Leben. Wenn wir den Weg zur Einheit gehen wollen, dann bedeutet das, daß wir lernen müssen, uns mehr und tiefer in Beziehung zu setzen, als wir es normalerweise tun würden.

Religionen und spirituelle Wege sind keine Kopfgeburten, sondern das Resultat tatsächlicher Erfahrungen von Wahrheit. Menschen haben diese Erfahrungen gemacht und sie mit der Kraft der Realität anderen vermittelt. HOLISTIC YOGA geht davon aus, daß die Wurzel aller Religionen, dieselbe Wahrheit ist und daß die großen Unterschiede zwischen den religiösen Wegen nur Ausdruck der verschiedenen sozialen, religiösen und kulturellen Umstände sind, unter denen diese Wahrheit vermittelt wird.

Die Menschen der heutigen Zeit leben im Gegensatz zu den Menschen der vergangenen Jahrtausende nicht mehr in den festen Strukturen von Religion, Gesellschaft und Familie. Sie sind losgelöste Individuen, die sich aus einer Flut von Informationen eine eigene Meinung bilden müssen. Die Wahrheit selbst ist in all diesen Jahrtausenden die Gleiche geblieben, aber die Art und Weise, sich ihr anzunähern, sollte heute dem Wesen des "modernen" Menschen entsprechen.

Das große Interesse, das spirituellen und persönlichen Wachstumstechniken in den letzten Jahrzehnten entgegengebracht wird, ist Ausdruck tiefer innerer Verunsicherung. Immer mehr Menschen suchen in ihnen nicht nur Heilung von Neurosen, sondern auch Antworten auf die Frage nach Sinn und Wahrheit. So sind diese Methoden Teil der neuen spirituellen und religiösen Strukturen geworden. Ein heutiger spiritueller Weg darf diese Entwicklung nicht ignorieren, sondern muß diese Techniken integrieren.

HOLISTIC YOGA ist ein spiritueller Ansatz, der dieser neuen Situation entspricht. Der Fokus liegt dabei auf dem gemeinsamen Kern aller Religionen. Deshalb eignet es sich für Menschen jeder religiösen Ausrichtung, aber auch für Menschen, die unabhängig von ideologischen Eingrenzungen nach dem Sinn des Lebens suchen wollen.

Viele Menschen wenden sich spirituellen Wegen zu, in der Hoffnung auf diese Weise den Problemen und Schwierigkeiten des Alltags entkommen zu können. Das ist ein Irrtum. Vielmehr ist ein geordnetes, funktionierendes Alltagsleben die unabdingbare Voraussetzung, damit spirituelle Techniken und Wege überhaupt zum gewünschten Ziel führen können.

Ein großer Teil des HOLISTIC YOGA befaßt sich mit dem Ordnen und Gestalten des Lebens in Familie, Beruf und sozialem Umfeld. Denn wenn der Blick auf die Wirklichkeit durch Probleme und alltägliches Chaos verstellt ist, dann ist kein wirkliches Wachstum möglich. Deshalb sind therapeutische Methoden, Kommunikationstechniken und die Veränderung von Gewohnheiten und Verhaltensweisen wesentlicher Teil der Arbeit mit HOLISTIC YOGA. Je mehr sich Verhalten klärt und sich das Alltagsleben ordnet, um so mehr verschiebt sich der Fokus der Aufmerksamkeit von der Sorge um Überleben und Bewältigung des Alltags hin zur Suche nach Erfüllung des Lebens. Dann erst ist wirkliches spirituelles Wachstum möglich.

Die traditionelle Basis des Holistic Yoga beruht auf der Lehre und den Techniken, des im Jahr 1984 verstorbenen Yogameister Swami Kripaluananda. Swami Kripalu war ein bekannter Yogameister, der zurückgezogen lebte und sein Leben der Hingabe an das Göttliche widmete. 25 Jahre hielt er ein Schweigegelübte aufrecht, wobei er nötige Kommunikationen mittels Schreiben auf einer Schiefertafel tätigte. Aus seiner Hingabe zum Göttlichen entstand eine spezielle Form Yogapositionen durchzuführen, sogenannte Flußasanas. Flußasanas sind eine Kombination von Körperhaltungen, Atem und Meditation. Dabei werden über 20 Asanas zu einer Sequenz miteinander verbunden und in Einklang von Körper, Atem und Aufmerksamkeit durchgeführt. Dabei fließt der Körper spielerisch von Asana zu Asana. Je mehr die Körperhaltungen beherrscht werden, desto entspannter wird das Fließen und desto tiefer die Meditation. Kripalu-Yoga ist nicht asketisch oder leidensorientiert, sondern ein entspanntes Gleiten von Position zu Position.

Zu Anfang werden die Asanas statisch eingeübt, aber sowie die Körperübungen grundlegend beherrscht werden, werden sie zur Sequenz verbunden. Der Sonnengruß ist ein bekanntes Beispiel für ein Flußasana . In Kripalu-Yoga werden alle Asanas (bis zu 24 und mehr) miteinander verknüpft. Dabei können die Sequenzen sehr langsam und meditativ durchführt werden oder schnell und energetisierend. Wichtig ist es, in einen entspannten Fluß der Haltungen zu kommen.

Je leichter das Fließen wird, desto mehr wandelt sich die Haltung des Geistes von Wille zu Hingabe. Je weniger der Wille eingesetzt wird, um so stärker wird der Energiefluß, bis es zur Befreiung von Kundalinienergie kommt. Dieser fließende Übergang vom willentlichen Bereich zum Bereich der Hingabe ist eine Besonderheit des Holistic Yoga.

1973 begegnete der amerikanische Natur- und Kommunikationswissenschaftler Charles Berner Swami Kripalu und wurde dessen Schüler. Charles Berner traf in Swami Kripalu auf einen Yogi, der bestrebt war, "die Wissenschaft" des Yoga vom Schleier der Mystik zu befreien und verstehbar zu machen. Aus der Begegnung dieser beiden ähnlich strukturierten Menschen entstand Holistic Yoga.

Viele westliche Menschen brauchen intellektuelles Verstehen, um einem Weg ausdauernd folgen zu können. Diese Form des Verstehens wird im spirituellen Bereich oft abgelehnt und dem reinen Verstehen des Herzens untergeordnet. Durch das Zusammentreffen von Swami Kripalu und Charles Berner wurde Yoga als Weg von der Dualität in die Einheit, auf einer sehr tiefen Ebene für westliche Menschen verstehbar dargelegt. Je mehr das Verstehen anwächst, desto deutlicher wird, daß auf einer tiefen Ebene, alle religiösen Wege der gleichen Quelle entspringen. Dadurch löst sich die Frage nach dem "richtigen" Weg auf und die Motivation einem spirituellen Weg zu folgen wächst an.

Die Basis von Dualität und von Leben ist Beziehung. Die Beziehung zwischen uns als Individuen zu anderen Individuen und Leben. Um zur Einheit zu gelangen, müssen wir unsere Beziehung zu anderen und zur Welt klären und verbessern. Das ist die Grundlage aller Wachstumstechniken des Holistic Yoga.

Die westlichen Übungen und Techniken des Holistic Yoga wurden größtenteils von Charles Berner entwickelt. Eine zentrale Methode ist die Diadentechnik. Diaden sind strukturierte Kommunikationsübungen, die zur Verbesserung der Beziehungsfähigkeit von Menschen und zur Lösung von Problemen beitragen. Auf den Diaden beruht auch die wohl bekannteste Technik Charles Berners: das Enlightenment Intensive. Das Enlightenment Intensive ist ein Exerzitium, in dem die Teilnehmer drei Tage lang die Frage "Wer bin ich?" kontemplieren. Die Technik des Enlightenment Intensive ist eine Kombination von Kontemplation und Kommunikation in Diaden.

Die ersten Schritte auf dem Yogaweg, auf dem Weg zur Einheit, ist die Veränderung unserer Verhaltensweisen im Alltag. Im Holistic Yoga wird dazu das Holistic Yoga Mandala benutzt. Das Mandala besteht aus 32 Abschnitten oder Aspekten des Lebens. Aspekte des Mandalas sind zum Beispiel: das Familienleben, der Beruf, Kommunikation, Beziehungen, Ernährung, Sterben, Geld verdienen, Meditation, Sexualität, usw. Zu jedem dieser Aspekte gibt es Übungen und Empfehlungen, die dabei helfen sollen, das Leben zu verbessern und ein stabiles Fundament für den Yogaweg zu schaffen.

Der Yogaweg wird durch eine Leiter mit 8 Stufen dargestellt. Sie führt vom Alltagsleben zur Einheit mit dem Göttlichen - zur Befreiung. Die ersten zwei Stufen der Leiter sind die Yamas und die Niyamas. Die 5 Yamas sind Enthaltungen, Dinge die wir nicht tun sollten, zum Beispiel: Verletzten, Lügen, Stehlen usw. Die 5 Niyamas sind Dinge, die wir tun sollten, zum Beispiel: zufrieden sein, Schriften studieren, usw.

Der westliche Mensch ist auf ganz andere Weise kommunikativ als der Mensch aus dem Osten. Deshalb sind Kommunikationstechniken eine gute Basis für einen Yogaweg für westliche Menschen. Wenn wir zu unseren Mitmenschen tiefer in Beziehung sind, unser Leben besser funktioniert, dann haben wir weniger Sorgen und Probleme und kommen mehr ins Hier und Jetzt. Durch unsere tiefere Beziehung zum Sein wächst unsere Energie an. Dann ist es einfacher mit den nächsten Stufen des Yoga erfolgreich zu sein, mit den Asanas, Pranayamas und Prathyahara bis hin zum Bereich von Raja-Yoga. Die Arbeit am Alltag in Beruf und Familie ist die Voraussetzung und Basis für den Fortschritt auf dem Yogaweg.

1995 ist im Kösel-Verlag das Buch "Intensiver leben" erschienen. Es wurde von Werner Plate und Erika Helene Etminan geschrieben und stellt das Holistic Yoga Mandala vor. Am Ende eines jeden Kapitels sind Übungen, so daß die Leser schrittweise jedem Bereich ihres Lebens Achtsamkeit schenken und ihn bearbeiten können. Die Arbeit am Mandala ist sehr wirksam, weil sie darauf basiert, unsere Stärken zu entdecken und sie dazu zu nutzen, unser Leben in Einklang mit Wahrheit zu bringen. Da es ein Weg unserer Stärken ist, ist er nicht mühevoll, sondern entspricht der natürlichen Ausrichtung unserer Lebensenergie und unserem Interesse.

Werner Plate bietet  auch das Holistic Yoga Studien- und Wachstumsprogramm an, ein Ausbildungsprogramm für Menschen in helfenden Berufen. In diesem Rahmen bildet er auch Holistic Yogalehrer oder spirituelle Therapeuten aus. Aus seiner jahrelangen Tätigkeit im psychiatrischen Bereich, wurde ihm klar, das wirkliche Hilfe nur möglich ist, wenn zuerst den Helfern geholfen wird. In den Techniken Charles Berners fand er ideale Grundlagentechniken, um die Arbeit im helfenden Bereich zu verbessern. Sein wichtigster Grundlagenkurs ist die "Kunst des Zuhörens" . Auf diesen Kurs bauen verschiedenen Fortbildungen auf, die den emotionalen Bereich, den Bereich des Körpers, spirituelle Beratung und das Leiten von Enlightenment Intensives betreffen.

So umfaßt die Arbeit mit Holistic Yoga alle Bereiche des Lebens. Es ist ein Yoga des Westens, letztendlich losgelöst von einer bestimmten religiösen Ausrichtung lehrt es die gemeinsame Basis aller Religionen. Es ist die Kombination von östlichen und westlichen Lehren und Wachstumstechniken. In diesem Rahmen ist Therapie, Grundlagenarbeit für unseren Weg zur Befreiung